Die Jahreshauptversammlung der Spielvereinigung Oberhausen und Styrum (ehemals entstanden aus den beiden großen Vereinen Styrumer Spielverein 08/Styrum 08 und dem Oberhausener Spielverein) fand dieser Tage statt.
Der 2. Vorsitzende Bauer sagte einleitend, dass der Spielvereinigung in dem vor etlichen Wochen gegründeten 1.FC Styrum einen Verein erblicken müsse, der als eine Gegnerschaft gegen die Vereinigung anzusehen sei.
Aus diesem Grunde sei es angebracht, darauf hinzuweisen, dass Mitglieder der Spielvereinigung natürlich dem neuen Styrumer Verein weder aktiv noch passiv zugehören dürfen. Sollten dennoch etliche Mitglieder diesem Verlangen, dass schon sofort nach Bekanntgabe der Gründung ausgesprochen worden war, nicht nachgekommen sein, so müsse ihr Ausschluß vorgenommen werden.
Die Versammlung unterstützte den Beschluß des Vorstandes. Die anwesenden Mitglieder die auch dem 1.FC Styrum angehörten, verließen daraufhin den Saal.
(Mülheimer Zeitung vom 11. Juli 1923)

Vorstandsmitglieder des Styrumer Spielverein 08 waren unter anderem Fritz Deprez, Willi Bungert und Peter Bargon, die allesamt den “1.FC Mülheim-Styrum” gründen sollten! Zum 10. Juni 1923 wurde von Heinrich Bäcker eine Versammlung zwecks Gründung eines neuen Fußballvereins in Styrum, in das Lokal Landscheidt am Styrumer Bahnhof einberufen. Die wider Erwarten zahlreich erschienenen Sportfreunde beschlossen einstimmig, einen neuen Verein ins Leben zu rufen. Der vorbereitete Ausschuss bestand aus Willi Bungert, Fritz Deprez und Heinrich Bäcker.

Am 24. Juli 1923 fand die erste Hauptversammlung im Saale Hebing (heute Hesselmann) statt und dem Verein wurde der Name: “Erster Fußballclub Mülheim-Ruhr-Styrum” gegeben.

Die Vereinsgründer

Der engere Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Fritz Deprez, Geschäftsführer Heinrich Bäcker, Kassierer Heinrich in der Beek, Fußballobmann Willi Bungert und Jugendleiter Josef Menne. Als Vereinsfarbe wurde Schwarz-Weiß gewählt, die Spielertracht waren weiße Trikots mit dem Styrumer Schlosswappen (dem roten springenden Löwen im weißen Feld). Dieses Wappens wegen hießen die Styrumer im Volksmund fortan die “Styrumer Löwen” und sind unter dieser Bezeichnung bekannt geworden. Zu den weißen Trikots wurden schwarze Hosen getragen.
Anfang Juli 1923 wurde der Verein in das Vereinsregister beim Amtsgericht Mülheim eingetragen und erhielt den Zusatz e.V. Inzwischen war auch die Aufnahme in den Westdeutschen Spiel Verband, trotz Einspruch der Spielvereinigungen Oberhausen und Styrum, erfolgt. Dieser Einspruch seitens der Spielvereinigungen ist nur verständlich, denn sofort nach Gründung des neuen Vereins, schlossen sich viele ortsgebundene Spieler dem 1.FC Mülheim-Styrum 1923 e.V. an.

Die 1. Mannschaft im Gründerjahr

So wechselten mehrere Gauligaspieler sofort zu dem in der niedrigsten Klasse spielenden FC (stellvertretend fortan für 1.FC Mülheim-Styrum 1923 e.V.) Ebenfalls kam Walter Micheel, ein späterer vielfacher Meisterspieler mit seiner kompletten B-Jugend zum FC. Es war also nicht sehr verwunderlich das 3 Seniorenmannschaften und 4 Jugendmannschaften den Spielbetrieb aufnahmen.

Weit schwieriger gestaltete sich die finanzielle Abwicklung. In der Zeit der größten Inflation wurde der Verein gegründet. Der Pachtzins für den Sportplatz an der Hohestraße wurde nach dem jeweiligen Preis für einen Doppelzentner Weizen an der Getreidebörse berechnet. Ebenfalls war die Anschaffung von Sportgeräten und Sportbekleidung mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die Spendenfreudigkeit und Begeisterung nicht nur der Vorstandsmitglieder und Spieler, sondern auch aller immer zahlreicher werdenden Mitglieder, ließen den Verein jedoch alle Schwierigkeiten überwinden.

Die unzureichende Platzanlage an der Hohestraße stellte den Verein vor die Aufgabe, einen neuen Platz zu finden und herzurichten. Dieser wurde auf dem ausgeziegelten Gelände von Biesgen an der Dümptener Straße gefunden und zu einem Preis von 950 DM gepachtet. Um die Spielfläche herzustellen, mussten über 6000 cbm Erde bewegt werden. Die Mitglieder wurden aufgerufen freiwillige Arbeit zu leisten. Mit einer wahren Begeisterung, wie sie wohl heute nicht mehr denkbar wäre, griffen alle zu und in nur sechs Wochen war der Platz fertiggestellt.

In den Jahren an der Dümptener Straße hat der Verein großen sportlichen Aufschwung genommen; die “Löwen” aus Styrum waren in aller Munde!
Erwähnt sei an dieser Stelle, dass im Jahre 1925 eine Handballabteilung gegründet wurde, die aber leider nur einige Jahre Bestand hatte. Diese Sportart wurde dem TV Styrum, sowie der DJK Styrum überlassen. Dennoch war einer der erfolgreichsten deutschen Feldhandballspieler und spätere Olympiasieger, Dr. Harald Reinhardt, aus der Handballjugendabteilung des FC! 1929 erfolgte der Aufstieg von der ersten Gauklasse in die zweite Bezirksliga. 1934, nach Erringung der Kreismeisterschaft, erfolgte der Aufstieg in die 1. Bezirksliga, die damals zweithöchste Spielklasse des Westdeutschen Spiel Verbandes.
Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte musste dann eine Styrumer Mannschaft absteigen. Mit Beendigung der Saison 1936/37 musste der FC wieder in die 2. Bezirksliga. Ende der Saison 1937/38 wurde jedoch wieder der Aufstieg geschafft, was hauptsächlich daran lag, dass alle Spieler dem Verein die Treue gehalten hatten!

Der im Herbst 1939 ausbrechende Krieg machte viele Hoffnungen der Vereinsführung zunichte. Hinzu kam, dass der mit viel Mühe und finanziellen Opfern hergerichtet Sportplatz an der Dümptener Straße der Industrie weichen musste und dem FC verloren ging. Dass der Sport nicht völlig zum Erliegen kam, wie noch im 1. Weltkrieg, hatte ideologische Gründe. Zwar kam es im Zuge der Rekrutierung zu einer Neuordnung im Deutschen Fußball, aber der Spielbetrieb wurde einstweilen noch aufrechterhalten. Der FC wurde mit Mannschaften wie: Rasensport Mülheim, Broich 85, VFB Mülheim und Vorwärts Mülheim sowie einigen Duisburger Clubs in einer Spielklasse zusammengefasst. Recherchen in der National-Zeitung ergaben, dass der FC noch in der Saison 1942/43 den Spielbetrieb aufrechterhielt. Am 8. Mai 1945 war der 2. Weltkrieg zu Ende, gehörte das sinnlose Morden endgültig der Vergangenheit an! Die Folgen waren katastrophal.

An dieser Stelle gedenken wir den gefallenen Mitgliedern unseres Vereins:

Erich Heuken, Ernst Heuken, Christian Ketterer, Bruno Formaniak, Hippolit Brosowski, Franz Steinbach, Herbert Nitschke, Gottfried König, Heinz Hegels, Ewald Sprenger, Albert Faust, Josef Chossa, Karl Hilterhaus, Heinz Bungert, Peter Neyenhuis, Artur Radtke, Walter Denkhaus, Walter Uhler, Helmut Poßmann, Peter Bäcker, Heinrich Bäcker, Hermann Bäcker, Ferdinand Brandes und Christian Brandes

Fast das ganze deutsche Land lag in Schutt und Asche. Das Chaos unbeschreiblich und große Not und Elend herrschten überall! Eine lähmende Hoffnungslosigkeit mussten die Menschen damals erst einmal überwinden und nicht alle wurden damit fertig. Es folgte allerdings relativ schnell das große Aufbäumen; man ging an den Wiederaufbau für eine bessere Zukunft!

Auch im Sport gab es verständlicherweise zunächst noch einen gewissen Stillstand, doch es regten sich neue Kräfte in den Sportvereinen, bei denen sich Aufbruchstimmung breit machte. Beim 1.FC Mülheim-Styrum 1923 e.V. fanden sich die Mitglieder schnell zusammen und waren zu allem entschlossen. Mit großem Elan ging es an den Wiederaufbau, was vorrangig mit der Beschaffung der notwendigen Sportausrüstung zu tun hatte.

In 75 Jahren Vereinsgeschichte hatten wir zahlreiche prominente Mannschaften und Spieler zu Gast. So war in den 30er Jahren der FC Schalke 04 zweimal zu Gast in Mülheim-Styrum, in dessen Reihen so berühmte Spieler wie Ernst Kuzorra, Hermann Eppenhoff, Ernst Pörtgen, Fritz Szepan und Ötte Tibulski mitwirkten. In Meisterschaftsspielen waren die Nationaltorhüter Fritz Buchloh und Willi Jürissen zu Gast.
In den 50er Jahren erschien Rot-Weiß Essen mit den Nationalspielern Fritz Herkenrath, Heinz Wewers und Helmut Rahn zu einem Pokalspiel.

Im bezahlten Styrumer Fußball waren dann naturgemäß viele Spieler von Rang und Namen zu Gast in Mülheim. Die Aufzählung aller Spieler würde den Rahmen sprengen, aus diesem Grunde sind nur einige wie folgt aufgezählt:

Carlos Babington (argentinischer Nationalspieler, von Wattenscheid 09), Zoltan Varga (ungarischer Nationalspieler, von Borussia Dortmund). Eintracht Frankfurt erschien zu einem Pokalspiel mit den Weltmeistern von 1974: Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein. Wolfgang Fahrian, WM Torhüter von 1962 weilte mit Fortuna Köln zu Gast und mit Manfred Manglitz hatten wir den WM Torhüter von 1970 in den eigenen Reihen. Ebenfalls in unseren Reihen spielte Otto Luttrop (“Atom-Otto”, aufgrund seines kraftvollen Schusses), der auch bei 1860 München spielte und mit den 60ern im Europapokalendspiel gegen West Ham United stand. Holger Osieck, Stürmer unseres Vereins, wurde 1990 an der Seite von Kaiser Franz Beckenbauer Weltmeister mit der Deutschen Fußball Nationalmannschaft. Norbert Eilenfeldt, Verteidiger und Mittlefeldspieler im FC war später Leistungsträger zunächst bei Arminia Bielefeld und dann beim 1.FC Kaiserslautern. Und ebenfalls ein aus der FC Jugend hervorgegangenes Talent avancierte später zum Nationalspieler, sein Name war Jürgen Sundermann.

An dieser Stelle bedankt sich der Verein herzlich bei allen Spielern die jemals für den FC gespielt haben!

Auf den weiteren Unterseiten und Links im Archiv erfahren Sie mehr über Tabellen, Ergebnisse und Ligenaufteilung der jeweiligen Jahre. Eine Menge an Bildmaterial ist dem hinzugefügt, viel Spaß beim Rückblick!